Ihre Meinung zum Thema HoffnungOstern ist der höchste christliche Feiertag. Für gläubige Christen symbolisiert Ostern den Sieg des Lebens über den Tod. Dies schenkt Hoffnung. Wir wollten in der letzten Woche von Ihnen wissen: Worauf hoffen Sie?
Hier einige Auszüge Ihrer Antworten:
"Das ist für mich, je älter ich werde, eine zunehmend elementare Frage geworden. Ostern zog ich als Fest Weihnachten immer vor, weil es nicht so auf die Rührungstränendrüse drückte. Und der Gedanke der Auferstehung trug mich einige Jahrzehnte lang, bis mir irgendwann das Konzept mit der Erbsünde und Christus als dem definitiven Opferlamm nicht mehr einleuchtete.
Inzwischen bin ich in meinem Glaubensprozess an dem Punkt, wo ich es einerseits sehr schön fände, wenn es wirklich irgendein Fortbestehen gäbe nach dem Tod, das Bewusstsein sich mit anderen verbinden und austauschen könnte. Andererseits hat sich meine schon immer vorhandene Skepsis mit einem stärker werdenden Pessimismus verbunden und sagt mir: Lass alle Hoffnung fahren.
So lebe ich in dem seltsamen Zustand, dass ich einerseits Zwiesprache mit Gott halte, das Gebet mich durch jeden Tag begleitet als Ausdruck meiner Hoffnung, dass da jemand ist, der mir zuhört. Andererseits denke ich, dass unsere Unsterblichkeit darin besteht, in unsere Moleküle aufgelöst wieder in den Reigen des Lebens und Sterbens in der Natur zurückzukehren, solange es die Erde noch gibt als belebten Planeten, und danach in den Kosmos überzugehen.
Ansonsten ist meine Hoffnung auf sehr überschaubares Terrain beschränkt: auf ein paar liebe Menschen, meine Familie, meine wenigen Freunde, ohne irgendwelche konkreten Erwartungen. Was die Menschheit als Spezies betrifft, habe ich jede Hoffnung aufgegeben, dass wir es noch rechtzeitig kapieren und aufhören, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören. (...)" Maria Stein
"Hoffnung ist mehr als ein Ziel oder eine Berechnung. Hoffnung setzt voraus, ein Bewusstsein von sich selbst, ein Erleben von Zeit (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft), ein Gefühl von Mangel oder Sehnsucht und die Fähigkeit, sich etwas zu wünschen, das über die Realität hinausgeht.
Während wir Menschen - gerade im christlichen Glauben an Ostern - auf Erlösung, Auferstehung und ewiges Leben hoffen, können wir von der „KI“ nichts erwarten. Die „KI“ kennt kein Leben, das sie verlieren oder gewinnen könnte.
Die christliche Theologie unterscheidet traditionell sehr klar zwischen dem Menschen und allem von ihm Geschaffenen. Dabei ist ein zentraler Gedanke: Der Mensch ist nicht nur ein funktionierendes Wesen, sondern ein Geschöpf mit Seele, geschaffen „im Bilde Gottes“ (Thomas von Aquin). Der Mensch hat eine Seele. Die Hoffnung des Menschen wurzelt in seiner Beziehung zu Gott. So gehört im Christentum die Hoffnung, neben Glaube und Liebe, zu den göttlichen Tugenden.
Sie richtet sich nicht auf Wahrscheinlichkeiten, sondern auf die Verheißung: Auferstehung, Erlösung, Gemeinschaft. Der Mensch ist Person, nicht nur System.
Für mich symbolisiert Ostern den Sieg des Lebensüber den Tod. Dabei hoffe ich, dass mein Leben mehr ist als das Sichtbare, das der Tod nicht das letzte Wort hat, dass Leid und Unvollkommenheit nicht sinnlos bleiben, dass es eine Form von Gerechtigkeit oder Vollendung gibt, dass mein eigenes Leben getragen ist, dass mein Dasein nicht zufällig ist und nicht im Nichts endet.
Mein Leben ist eingebettet in Gottes Wirklichkeit und endet nicht mit dem Tod, sondern es vollendet sich. Ich hoffe, dass mein Leben Sinn und Richtung hatte, dass mein Handeln Frucht getragen hat - auch über den Tod hinaus, dass das, was im Glauben von mir gelebt wurde, nicht verloren geht und dass ich in Gott geborgen bleibe.
Ich habe nicht nur an meinen Glauben gedacht, sondern ihn auch verkörpert, in der Familie, im Beruf und im Alltag. Mein Leben wirkt weiter in unseren Kindern, in den Menschen, denen ich begegnet bin, in dem Guten, was ich getan habe: Ewigkeit bei Gott- Wirkung in der Welt. Nicht ich halte an Gott fest, sondern Gott hält mich fest."
Dieter Kühmichel
"Jemand von uns Jungen und Mädchen, die wir in der Nachbarschaft der katholischen Volksschule wohnten, unterschiedlichen Konfessionen angehörten oder gottlos waren, hatte mit geklauter roter Schulkreide an die triste graue Mauer des Schulhofs geschrieben: „Die Nonnen schwitzen in den Klostern, es wird Ostern“. Das war das Signal zum Aufbruch in fünf langweilige Feiertage, die schwer auf den Ferien lasteten.
Damals in den 1950er- und 1960er-Jahren endete das Schuljahr mit Ferienbeginn, entweder in den letzten Tagen des März oder den ersten im April. Es gab Zeugnisse, man wurde versetzt oder auch nicht. Nach den Ferien begann für alle Schüler ein neues Jahr. (...)
Vor diesem Hintergrund betrachtet, waren die knapp dreiwöchigen Osterferien eine Zwischenzeit, die man intensiv ausleben wollte. Denn wer konnte wissen, was danach kommen würde. Die kirchlichen Feiern um den toten und dann auferstandenen Jesus interessierten uns nicht – mit ganz wenigen Ausnahmen. Diesen gläubigen und altklugen Kindern sah man ihren strengen Katholizismus bereits auf wenige hundert Meter Entfernung an. (...)
In unserem Viertel, das in Sichtweite eines Kohlebergwerks, einer Kokerei und eines Kohlestaubkraftwerks lag, also mitten im Dreck des Ruhrgebiets, war in den kleinen Gärten kein Platz für bunte Eier. Der blieb dem Gemüseanbau vorbehalten. Und diente als Auslauffläche für Hühner. Am Ostersonntag stand jedoch ein kleiner Korb mit hartgekochten, bunt angemalten Hühnereiern und Schokoeiern auf dem Frühstückstisch. (...)
Wiederholt sinnierten wir in der Passionszeit über den römischen Lichtergott Mithras, der auf altpersische Mythen zurückging. Die Legende gleicht derjenigen des Jesus. Ein Vatergott entsendet seinen Sohn, um die Welt vor dem Bösen zu retten. Geboren wird er aus einem Stein in einer Felsengrotte. Mithras versammelt 12 enge Anhänger um sich. Vor seinem Tod trifft er sich mit diesen zu einem letzten Abendmahl. Doch er verbleibt nicht in der Sphäre des Todes, sondern kehrt zu seinem Vater zurück. Das Symbol des Mithraskults ist ein gleichschenkeliges Kreuz.
Was soll man glauben, wenn der Glaube vor allem auf Nichtwissen beruht? Worauf kann man hoffen? Ich hoffe, dass die Menschheit zu neuer Erkenntnis gelangt, die alles Vorherige überwindet. Vor allem die Dummheit. Und sich künftig von einem mitfühlenden Verstand leiten lässt."
Ihr Klaus Philipp Mertens
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