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Enzyklika von Papst Leo XIV. über die "Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz" (KI) hat weltweit viel Aufmerksamkeit gefunden. Seine Kritik an der unkontrollierten Macht der Digital-Konzerne war kundig und nicht geprägt von genereller Technikfeindlichkeit. Interessant fand ich seine Ausführungen über das Menschenbild der "Big-Tech"-Unternehmen, das mit dem Stichwort "Transhumanismus" verbunden ist. Dabei geht es darum, den Menschen durch Technologien grundlegend zu transformieren. Es geht um radikale Lebensverlängerung von mehreren hundert Jahren, Unsterblichkeit, das Hochladen des Gehirns auf eine Festplatte und um das Ablösen des Menschen durch eine künstliche Superintelligenz. Diese Gedanken klingen utopisch, doch dessen geistiges Substrat, nämlich den Menschen als zu optimierendes "Projekt" zu nehmen, wandert ein in Gesellschaften und Technologien.
Unmerklich wandelt sich dadurch unser Verhältnis zum Leben. Der Papst schreibt: "Alles, was als 'Begrenztheit' erscheint – Krankheit, Alter, Leiden, Verletzlichkeit –, wird normalerweise erst einmal als ein zu behebender Mangel angesehen und nicht als ein Umstand, durch den der Mensch reift und sich für Beziehungen öffnet. Doch wir müssen daran denken, dass der Mensch nicht
trotz seiner Begrenztheit, sondern oft gerade
durch seine Begrenztheit zur Entfaltung gelangt. Gerade dadurch gibt es Raum für Mitgefühl, für aufrichtige Sorge um die Bedürfnisse der anderen, für Großherzigkeit, für geistliche Erfahrungen und für die Anbetung Gottes."
Die "Bewahrung des Menschen im Zeitalter der KI" bedeutet also: den Mensch in seiner Verletzlichkeit, seiner Begrenztheit zu sehen, in seiner unbedingten Würde. Sie verpflichtet dazu, die menschliche Schwäche zu schützen und verbietet, sie rücksichtslos auszunutzen.
Herzlich
Klaus Hofmeister, hr Religion & Kirche