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hr2 Literaturland Hessen Newsletter
26.08.2026

Liebe Freundinnen und Freunde des Literaturlands Hessen,

wir freuen uns, Sie mit dieser ersten Ausgabe des Newsletters nach der Sommerpause wieder mit kuratierten Tipps aus einem schier unendlichen Angebot an Veranstaltungen und Sendungen in hr2-kultur zu begeistern. Los geht's Ende August mit dem Literaturfestival "Leseland Hessen", das zu vielfältigen Veranstaltungen quer durch Hessen einlädt. Die neue Bergen-Enkheimer Stadtschreiberin Judith Kuckart wird feierlich in ihr Amt eingeführt. Zahlreiche Literaturpreise werden verliehen. Es erwarten Sie Wiesbadener Stadtgeschichten von Alexander Pfeiffer, die Auseinandersetzung über die Frage nach Heimat im Exil und eine Diskussion zur Zukunft der Deutschen Nationalbibliothek. Das Sparda-Erzählfestival sollten Sie live oder in hr2-kultur keineswegs verpassen! Und die Tipps der hr2-Partnerbuchhandlungen fehlen natürlich auch nicht. Seien Sie also gern dabei, vor Ort oder gemütlich zuhause am Radio lauschend.

Leseland Hessen

Bild © picture alliance / Zoonar | DesignIt
Die 24. Auflage von Leseland Hessen lädt in diesem Jahr vom 1.9. bis zum 1.11. zu über 200 Lesungen in 52 Städten und Gemeinden ein. Die Veranstaltungen von Hessens größtem Literaturfestival führen quer durchs Land: von Kassel bis Heppenheim, von Biedenkopf bis Fulda sind 131 Autor*innen unterwegs, um ihre Bücher zu präsentieren, darunter zahlreiche prominente Namen der Gegenwartsliteratur, wie Eva Menasse, Ingo Schulze, Shida Bazyar oder Christiane Rösinger. Im Programm sind auch zahlreiche Krimi-Lesungen und Lesungen an hessischen Schulen. Eine Übersicht über alle Termine finden Sie auf der Webseite Leseland Hessen.
Leseland Hessen ist eine Kooperation zwischen Veranstaltern und Gemeinden in Hessen, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, dem Hessischen Rundfunk/hr2 kultur, dem Hessischen Literaturforum im Mousonturm e.V., der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und zahlreichen Sponsoren vor Ort.

Stadtschreiberin und Stadtgeschichten

Am 28.8. erhält Judith Kuckart beim traditionellen Stadtschreiberfest auf dem Berger Marktplatz den Schlüssel zum Stadtschreiberhaus im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim. Die Schriftstellerin, Tänzerin, Choreographin und Regisseurin löst José F. A. Oliver ab und darf als 53. Amtsinhaberin für ein Jahr im Stadtschreiberhaus wohnen und arbeiten. Zusätzlich zum Wohnrecht erhält sie ein Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro. Judith Kuckart veröffentlichte zuletzt den Roman "Die Welt zwischen den Nachrichten" (DuMont). In der Begründung der Jury heißt es unter anderem: "Judith Kuckart schaut Menschen zweimal an, und so haben wir, die wir ihr Werk nun staunend im vierten Jahrzehnt verfolgen, uns unter ihrer Anleitung daran gewöhnt, dass auch wir jeden Menschen zweimal anschauen mögen, den Judith Kuckart uns zeigt. Menschen zumeist, die nicht auf die Idee kämen, von sich aus zu winken, die vielleicht nicht einmal die Hand heben, wenn jemand fragt, ob alle da sind." Der Preis wird durch die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim im Auftrag der Stadt Frankfurt am Main vergeben. Den Mitschnitt der Schlüsselübergabe gibt's in hr2-kultur am 6.9.

Der WerkRaum ist Teil der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 (WDC 2026) und bietet bis zum 31.10. ein offenes Forum für Dialogformate und Veranstaltungen. Jeder Monat steht unter einem thematischen Schwerpunkt, der zentrale Fragen des städtischen Zusammenlebens aufgreift. Zum Monatsthema "Stadtgeschichte/n" liest Alexander Pfeiffer Geschichten aus Wiesbaden, die sich genauso ereignet haben oder ereignet haben könnten. Sein jüngster Roman "Terrorballade" über das Wiesbadener Vermächtnis der RAF nimmt die Stadt unter zeitgeschichtlichen Aspekten ins Visier. Der Essay "Sinnieren im Kaffeetakt" liefert einen koffeinhaltigen Gedankenstreifzug durch die Wiesbadener Innenstadt. Die Lesung findet am 27.8. um 18 Uhr im WerkRaum, Langgasse 5-9, Wiesbaden statt.

Goethe-Preis

Uwe Thimm © Thomas Müller
Der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt geht in diesem Jahr an den Schriftsteller Uwe Timm. Das Kuratorium lobt sein vielfältiges Werk, das "von tiefster Humanität geprägt" sei, und seinen "besonnen-kritischen Blick", auch sich selbst gegenüber. Zu seinem Werk gehören Romane, Novellen, Erzählungen, Hörspiele, Drehbücher und Geschichten für Jugendliche und Kinder. Große Erfolge feierte Uwe Timm mit der Novelle "Die Entdeckung der Currywurst" (1993), die auch verfilmt wurde. 2003 erschien die autobiografische Erzählung "Am Beispiel meines Bruders", die eine Diskussion über die deutsche Erinnerungskultur und den Nationalsozialismus auslöste. Sein Kinderbuch "Rennschwein Rudi Rüssel" wurde 1990 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und verfilmt. Zuletzt erschien 2023 sein autobiografischer Roman "Alle meine Geister". Die feierliche Preisverleihung findet am 28.8. in der Paulskirche statt. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert. Die Laudatio hält die Schriftstellerin Shida Bazyar. hr2-kultur sendet den Live-Mitschnitt in einer gekürzten Fassung am 13.9.

Robert Gernhardt Preis und Rheingau Literatur Preis

Der Schriftsteller Artur Becker und der Autor und Journalist Fikri Anıl Altıntaş erhalten den Robert Gernhardt Preis 2026. "Beide Autoren widmen sich in ihren literarischen Projekten existenziellen Fragen von Erinnerung, Zugehörigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt – und finden dafür jeweils eine ganz eigene, eindringliche Sprache", so der Hessische Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels. Artur Becker erhält den Preis für sein Romanprojekt "Der Lebendige hat kein Grab". Darum geht es um einen polnischen Publizisten, der seit Jahrzehnten in Frankfurt am Main lebt und glaubt, einen ehemaligen Freund und Spitzel des kommunistischen Sicherheitsdienstes getötet zu haben. Fikri Anıl Altıntaş wird für sein Romanprojekt "Valhalla" ausgezeichnet, einem Text über Trauer, Männlichkeit und gesellschaftliche Spannungen der Gegenwart. Den Preis loben das Land Hessen und die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) gemeinsam aus. Die Preisträger teilen sich das Preisgeld in Höhe von 30.000 Euro. Der Preis wird am 17.9. im Produktionshaus Naxos (Waldschmidtstraße 19) in Frankfurt verliehen.

Beim Rheingau Literatur Festival "WeinLese" vom 27. bis 30.8. sowie 24. bis 27.9. sind wieder renommierte Autor*innen zu Gast, darunter Felicitas Hoppe, Neil MacGregor und Barbara Honigmann. Den Rheingau Literatur Preis 2026 erhält der Schriftsteller Lukas Rietzschel für seinen Roman "Sanditz" (dtv). Darin wird eine Familiengeschichte aus der Lausitz erzählt, die fast ein halbes Jahrhundert, von den Siebzigern bis zum Ukraine-Krieg, umfasst. Der Roman sei, so die Jury, eine über alle Klischees hinausgehende "exemplarische Studie des Auseinanderfallens einer Gemeinschaft". Der Preis wird in diesem Jahr zum 33. Mal vergeben. Die Auszeichnung ist mit 11.111 Euro und 111 Flaschen Rheingauer Riesling dotiert, gestiftet vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, dem Rheingau Musik Festival e.V., dem Relais & Chateaux Hotel Burg Schwarzenstein sowie dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter Rheingau. Die Preisverleihung findet am 27.9. um 11 Uhr auf Schloss Johannisberg in Geisenheim-Johannisberg statt. Die Laudatio hält Andreas Platthaus.

Heimat im Exil

Bild © SWR
Was bedeutet Heimat im Exil? In der Sendung Abendstudio des Hessischen Rundfunks trafen sich im Jahr 1958 zwei herausragende Stimmen zum Gespräch: Erika Mann, Schriftstellerin, Journalistin und Kriegsreporterin für die BBC, und Theodor W. Adorno, Philosoph, Soziologe und Mitbegründer der Kritischen Theorie. Erika Mann emigrierte 1938 mit ihrer Familie in die USA. Später berichtete sie über die Nürnberger Prozesse und kehrte in den 1950er Jahren nach Europa zurück. Theodor W. Adorno floh 1934 vor dem Nationalsozialismus, arbeitete am New Yorker Institut für Sozialforschung und lebte später in Kalifornien. Unter der Gesprächsleitung von Adolf Frisé sprechen sie über das Leben im amerikanischen Exil, über Europa aus der Distanz – und über das Wort "Heimat". hr2-kultur sendet das Gespräch am 29.8. in der Reihe Archivschätze. Anlass sind die Tage des Exils, die mit 50 Veranstaltungen an 26 Orten noch bis zum 6.9. in Frankfurt stattfinden. Initatoren sind die Körber-Stiftung in Kooperation mit dem Deutschen Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek. Die Auftaktveranstaltung mit Irina Scherbakowa ist hier nachhörbar.

Die DNB zwischen Kulturerbe, Wissen und Zukunft

Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt © DNB/Alexander Paul Englert
Die Deutsche Nationalbibliothek ist eine der wichtigsten Wissens- und Gedächtnisinstitutionen Deutschlands. Mit ihrer Geschichte, ihrem Auftrag und ihrer Arbeitsweise beschäftigt sich jetzt ein Dossier von "Politik & Kultur", der Zeitung des Deutschen Kulturrates, und richtet dabei zugleich den Blick auf ihre Zukunft. Am 15.9. diskutieren in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt: Olaf Zimmermann (Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates), Frank Scholze (Generaldirektor der DNB), Timon Gremmels (Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur) und weitere Gäste aus Politik und Kultur. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk statt, Doris Renck moderiert. hr2-kultur sendet den Mitschnitt am 27.9.

Sparda-Erzählfestival 27.9.: Von Wegen

Katharina Ritter (li) © Claus Strigel / Anneke Lubkowitz (re) © Dominique Meienberg
Schritt für Schritt, schlendernd, zielstrebig, stolpernd, leichtfüßig, allein oder mit anderen ... Die Erzählkünstler*innen des 22. SpardaErzählfestivals machen sich auf den Weg - mit Geschichten von mutigen Aufbrüchen und überraschenden Umwegen oder wundersamen Begegnungen am Wegrand. Das Festival findet vom 24.-27.9. in Kassel und Schauenburg-Breitenbach statt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei, um Anmeldung wird gebeten. Katharina Ritter macht den Auftakt mit ihrem Erzählprogramm "1000 x 1000 Schritte weit von fort zuhause". Darin erzählt sie von jenen Kindern, die sich zwischen dem 17. und frühen 20. Jahrhundert jedes Jahr zu Tausenden aus den Alpentälern auf den Weg machten, um sich bei schwäbischen Bauern zu verdingen. In weiteren Veranstaltungen erzählen Gudrun Rathke und André Wülfing vom Leben und Johanna Wollin nimmt ihre Gäste mit auf eine Reise zwischen Lateinamerika und Europa. Die Schriftstellerin Anneke Lubkowitz spürt dem Phänomen des emanzipatorischen Wanderns nach ("Rebellinnen zu Fuß"). Zum Abschluss des Festivals erklingt diesmal die Geige in der Märchenwache. hr2-kultur begleitet das Festival in der Sendung Literaturland Hessen und mit zwei Erzählpodcasts für Erwachsene und Kinder. Hören Sie darin zum Beispiel, was gegen das ewige Geschnatter von Mann, Kindern und Schwiegereltern zuhause unternommen werden kann. Ist die Antwort einfach? Von wegen! 

Buchtipps aus den hr2-Partnerbuchhandlungen

Bild © photocase/hr
Die hr2-Partnerbuchhandlungen halten für den Monat September aktuelle Buchempfehlungen für Sie bereit. Die Büchergilde Buchhandlung und Galerie in Wiesbaden empfiehlt "Magisch" von Annika Büsing: Marie und Paul waren einst das erste Punker-Paar im Ort. Jahre später, sie lebt mit Mitte 30 wieder zu Hause, kommt Paul zurück ins Haus seiner verstorbenen Mutter. Ihre Freundschaft und Liebe, aber auch vieles andere mehr lebt erneut auf. Und irgendwann stellt sich die Frage nach der Brandmauer in der eigenen Familie.
Weitere Buchtipps folgen in Kürze!

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