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hr Religion und Kirche
16.10.2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die Nachricht kam als Eilmeldung der Nachrichtenagenturen: Papst Leo hat Lungenkrebs. Die OP, bei der ein Lappen der rechten Lunge entfernt wurde, war ohne Komplikationen. Das Besondere an dem Vorgang: Leo hatte seine erste Diagnose ("Knoten in der Lunge") vorher selbst mitgeteilt. Diese transparente Informationspolitik ist recht neu. Im Vatikan galt jahrhundertelang die Maxime: Päpste sind gesund, bis sie tot sind. Um ihren Gesundheitszustand wurde ein Geheimnis gemacht. Man fürchtete Machtkämpfe und wollte kuriale Stabilität sichern. Und einen Papst sollte ja die Aura des Heiligen und Überweltlichen umgeben, da passen Details körperlicher Gebrechen von Gicht bis Inkontinenz nicht ins Bild.
Das änderte sich mit Papst Johannes Paul II., der sein Parkinson-Leiden und die Bilder seiner Hinfälligkeit der Öffentlichkeit bewusst zumutete und sie als Teilnahme am Leiden Christi deutete. Der Theologen-Papst Benedikt schwenke wieder um auf die diskrete Linie. Er verschwieg sogar, dass er einen Herzschrittmacher brauchte. Auch ein später nötiger Batteriewechsel wurde kaschiert. "Ein Papst im Batteriebetrieb", diese Schlagzeile sollte es möglichst nicht geben. Mit Franziskus, der schon als 21-Jähriger einen Teil seiner Lunge verlor, änderte sich die vatikanische Pressepolitik spürbar. Die Bulletins wurden offener. Dass ein Papst jedoch selbst seine Diagnose der Welt mitteilt, das ist der vorläufige Höhepunkt einer – wie ich finde – vernünftigen Normalisierung der Dinge. Denn mit seiner Transparenz vermeidet der Papst Spekulationen und Gerüchte und ärgert nebenbei die in Italien zahlreichen "Vatikan-Astrologen" der Medien, die eben davon leben. Dass Leo übrigens so klar und unaufgeregt von der bevorstehenden OP sprach, fand ich beeindruckend. Ein Papst muss nicht um jeden Preis Stärke demonstrieren. Ein offener, verletzlicher Pontifex ist für mich glaubwürdiger. Aber erstmal vor allem: Gute Besserung dem Papst – und allen die gerade Ähnliches durchmachen!

Herzlich,
Klaus Hofmeister, hr Religion & Kirche

Konservativ sein? Was wir bewahren wollen

hr1 am Sonntagmorgen | 18. Oktober, 6 – 10 Uhr
Mann mit Hut auf einem Oldtimer-Traktor im Freilichtmuseum Hessenpark mit alten Fachwerkhäusern, am Rande Zuschauer
Oldtimer-Traktoren und historische Landmaschinen im Freilichtmuseum Hessenpark © picture alliance-dpa/Frank Rumpenhorst
In einer Welt des rasenden Wandels regt sich die Sehnsucht nach dem Bleibenden. Es stellt sich die Frage: Was möchten wir für die Zukunft unbedingt bewahren? Für unsere Kinder, für unsere Gesellschaft? Es geht um Werte, um Kultur, alte Handwerke, Dialekte, Denkmäler, um die Bewahrung der Schöpfung. Wir möchten heimisch bleiben in unserer Welt. Und wollen deshalb "konservativ" sein. Das Wort klingt für viele verdächtig. Aber niemand würde leugnen, dass es viel Wichtiges zu "konservieren" gilt. 

Erfindung der Basisdemokratie in Hessen?
Erinnerung an die Homberger Synode von 1526

Camino | hr2-kultur | Sonntag, 18. Oktober, 11:30 Uhr
Camino | hr INFO | Sonntag, 18. Oktober, 13:05 Uhr
Ausschnitt eines Gemäldes mit dem Porträt Philipp I.
Philipp der Großmütige, Landgraf von Hessen und Förderer der Reformation © Imago Images
Die Reformation wird oft mit großen Namen und theologischen Debatten verbunden. Weniger bekannt ist die Homberger Synode, die vor 500 Jahren stattfand. Auf Einladung des Landgrafen Philipp I. von Hessen trafen sich in der Kleinstadt Homberg/Efze Ritter, Pfarrer und Bürger, um gemeinsam über die Zukunft ihres Landes zu beraten. Von der Homberger Synode 1526 ging die Reformation in Hessen aus, die großen Einfluss auf den Verlauf der Reformation auch in den anderen deutschen Territorien hatte. Bis heute gilt dieses epochale Ereignis als Vorbild für ein tolerantes Miteinander in Kirche, Gesellschaft und Politik.

Nachgefragt. Das aktuelle Gespräch mit Nora Bossong: Warum brauchen wir mehr Glauben?

Camino | hr2-kultur | Sonntag, 25. Oktober, 11:30 Uhr
Camino | hr INFO | Sonntag, 25. Oktober, 13:05 Uhr
Porträtaufnahme von Nora Bossong
Schriftstellerin und kritische Katholikin: Nora Bossong © Imago/dts Nachrichtenagentur
Wir leben in anstrengenden Zeiten. Mehrere Krisenherde machen uns gleichzeitig zu schaffen, dazu trägt jede und jeder noch sein eigenes, persönliches Päckchen mit sich herum. Was also gibt uns Halt und Orientierung? 
Die Schriftstellerin und kritische Katholikin Nora Bossong meint: Es lohnt sich, den Blick auf religiöse und spirituelle Traditionen zu richten. In ihrem neuen Buch wirbt sie für "mehr Glauben in erschöpften Zeiten". Sie schreibt: "Wir brauchen wieder mehr Mut, aus dem zu schöpfen, was Menschen über Jahrtausende gefunden und gelebt, bewahrt und behütet haben". Ein Gespräch mit den hr-Religionsredakteuren Lothar Bauerochse und Klaus Hofmeister.

Es wird Herbst. Zeit, (sich) zu sammeln ... und ein Buch für gemütliche Abende zu gewinnen!

hr iNFO| Himmel und Erde | sonntags um 6:05 und 11:05 Uhr und jederzeit in ARD Sounds
Ausschnitt aus dem Buchcover: Es zeigt ein Segelboot auf glatter See mit Düne im Vordergrund und dem Untertitel des Buches: "Von der Kunst, bei dir selbst anzukommen"
Cover-Ausschnitt des Buches "Zuhause in dir" von Bodo Janssen © Ariston Verlag
Der Herbst ist da. Von der Leichtigkeit der warmen Sommertage müssen wir uns verabschieden, bei manchen löst das Wehmut aus. Übergangszeiten sind immer auch Zeiten des Innehaltens. Wir spüren: So ein Wandel hat auch eine reinigende Kraft.
Der Bestsellerautor Bodo Janssen hat darüber nachgedacht, wie wir den Übergang gestalten und dabei vielleicht neu zu uns selbst finden können. Das Gespräch mit ihm hören Sie am Ende dieser Sendung, in der es um das Gestalten von Übergang, Abschied und Neuanfang geht. Wenn Sie sein Standpunkt anspricht, schreiben Sie uns hier eine Mail mit dem Betreff "Geborgenheit finden in einer chaotischen Welt" und gewinnen Sie eines von drei Exemplaren seines neuen Buches "Zuhause in dir: Von der Kunst, bei dir selbst anzukommen".

Robert Misik: "Dagegenhalten, dagegenhalten! Nicht mitmachen bei der Normalisierung."

hr2-kultur | Doppelkopf | jederzeit in ARD Sounds
Porträtaufnahme des Autors Robert Misik mit Brille, Freitagebart und Lederjacke
Der preisgekrönte Wiener Autor und Journalist Robert Misik © Suhrkamp Verlag/The van Helden
Robert Misik zählt zu den bekanntesten Publizisten Österreichs. In seinem neuen Buch "Erziehung zur Grausamkeit" untersucht er die Frage, wie aus einfachen Bürgern hemmungslose Faschisten werden können. Dabei blickt er auf ein globales Phänomen. In diesem Gespräch erklärt er, wie Menschen durch die ständige Konfrontation mit rechter Propaganda zunehmend verrohen und in den Bann populistischer Bewegungen geraten.

7 Tage ... Kommune – Mit 50 Menschen alles teilen, vom Frühstück bis zum Geld

7 Tage | jederzeit in der ARD Mediathek | im hr Fernsehen am Sonntag, 18. Oktober um 19 Uhr
Reporterin Nina Fehr mit Umzugskiste vor einer Gruppe von 20 lachenden Personen unterschiedlichen Alters, die in einem Garten stehen
Einzug in die Kommune auf Zeit. © hr/Hintergrund mit KI bearbeitet und erweitert
Alles teilen? Nie allein sein? 7-Tage-Reporterin Nina fragt sich, ob sie das könnte. Also zieht sie in eine Kommune ein, wo alles geteilt wird, auch das Gehalt. Manche machen sich nützlich in der Landwirtschaft, andere haben ganz normale bürgerliche Berufe außerhalb der Kommune. Sie begleitet junge und alte Mitglieder und schaut, ob das auch etwas für sie sein könnte. Ein spanndendes Experiment. 

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