Peter Thiel liebt es groß. Und deshalb macht sich der Tech-Milliardär aus dem Silicon Valley, Gründer von PayPal und Kopf hinter der Überwachungs-Software Palantir gerade auch große Sorgen: Wir leben in apokalyptischen Zeiten. Die Endzeit naht. Der Antichrist kommt. Darüber hat Thiel, der Investor und Computerspezialist, kürzlich einige Vorträge gehalten, vor erlesenem Publikum, an geheimem Ort, in Rom, vor den Toren des Vatikan.
Ein Signal. Denn Thiel sieht einen großen Verbündeten an seiner Seite: Papst Benedikt XVI. Der habe auch vor dem Antichristen gewarnt. Leider erst in seinem letzten Lebensjahr, "als keiner ihm mehr zuhörte". Benedikt sei wohl zu ängstlich gewesen. Aber Thiel ist nicht so ängstlich wie der Papst. Er warnt vor dem Antichristen. Das ist seine Mission. Thiel hat längst deutlich gemacht, dass für ihn (Investoren-)Freiheit und Demokratie unvereinbar sind. Und er hat in der Bibel gelesen, dass der Antichrist unter anderem den Menschen einen (falschen) Frieden und Sicherheit verspricht.
Deshalb sieht er den Antichristen heute überall dort am Werk, wo für den Frieden geworben oder gearbeitet wird. Zum Beispiel schon der frühere Tübinger Theologe Hans Küng mit seinem "Projekt Weltethos". "Kein Weltfriede ohne Frieden zwischen den Religionen", davon war Küng überzeugt. Für Thiel ein Satz aus dem Lehrbuch des Antichristen. Den wenigstens habe Benedikt schon bekämpft, schreibt Thiel jetzt in einem konservativen US-Philosophiemagazin. Aber auch Friedensorganisationen wie die Vereinten Nationen oder die Europäische Union gehören für Thiel zur globalen Front des Antichristen. Und die müssen von einem weißen christlichen Amerika bekämpft werden. Dafür hat Thiel als einer der ersten Trump finanziert. Deshalb baut er für die Zeit nach Trump den konvertierten Katholiken JD Vance auf.
Papst Leo XIV. übrigens betreibt in Thiels Augen mit seiner neuen Enzyklika über die Bewahrung der Menschlichkeit in Zeiten der technologischen Revolution durch Künstliche Intelligenz und seiner Forderung nach Transparenz und demokratischer Regulierung der KI nur das Geschäft von Chinas Kommunisten. Also, vermutlich schon ganz nahe beim Antichristen.
Renommierte katholische Theologen aus verschiedenen Ländern haben in diesen Tagen gewarnt vor dieser neuen Theologie der Tech-Ideologen. Es sei nicht die Frage, ob ein Milliardär über den Antichristen spekulieren darf, schreibt etwa der Jesuit Kuruvilla Pandikattu im Online-Portal "global catholic". Aber "wenn Reichtum, Technologie und politische Ideologie anfangen, so zu sprechen, als seien sie die Hüter des letzten Dramas der Geschichte", dann sollte das Christentum dieser Versuchung entschieden widerstehen, schreibt Pandikattu. Ich meine, dieser Satz gilt nicht nur für den Vatikan oder die katholische Kirche im engeren Sinn.
Peter Thiel hat übrigens vorgesorgt. In Buenos Aires hat er sich ein Anwesen gekauft, lebt jetzt vorübergehend mit seinem Mann dort, hat die Kinder in der Schule angemeldet. Der Grund dafür ist allerdings noch banal: In Kalifornien könnte er bald fünf Prozent seines Vermögens abgeben müssen. Er besitzt bereits einen neuseeländischen Pass, einen maltesischen hat er beantragt, berichtet Tech-Journalist Fritz Espenlaub, Autor des hörenswerten
DLF-Podcast "Die Peter-Thiel-Story". Auch in Uruguay habe er Grundstücke gekauft, über die seit Jahren als möglicher Krisenbunker spekuliert werde. Klar, damit Peter Thiel im Fall der Apokalypse wenigstens sein Luxus und sein Vermögen bleiben.
Herzlich,
Lothar Bauerochse, hr Religion & Kirche